Aktuelle Informationen und Berichte
.

dsaas

zurück

Heilendes Erinnern

Gut besuchter Gesprächsabend anl. 500 Jahre Reformation


„Heilendes Erinnern – Evangelisch und Katholisch im selben Ort gestern und heute“ aus der ökumenischen Veranstaltungsreihe im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ konnte von den Organisatoren als ganz hervorragend besuchter Abend im evangelischen Gemeindehaus Großeicholzheim verbucht werden.

Pfarrer Ingolf Stromberger konnte hierzu neben zahlreichen Christen beider Konfessionen auch Pfarrer Andreas Schneider willkommen heißen. Er betonte dabei, dass es etwas Neues sei, ein Reformationsjubiläum ökumenisch zu begehen, doch dieser neue Weg werde von allen gerne angenommen und zeige deutlich, dass die Gemeindeglieder inzwischen über Konfessionen hinaus im Ort sehr zusammengewachsen seien. Das würden die Verantwortlichen der beiden Laurentiuskirchen nicht nur begrüßen, sondern auch gerne fördern. So war dann auch die ratsuchende Bitte in der abschließenden Diskussionsfrage: „Was wäre Ihre Vorstellung von einem Miteinander für die Zukunft?“ Hier zielten die Antworten zum einen auf Begegnungsraum mit Gesprächsmöglichkeiten und auf noch mehr ökumenische Gottesdienste in beiden Kirchen, aber auch als Eröffnung für Feste im Ort.
Zu Beginn war Pfarrer Stromberger in einem kurzen Referat auf die wechselhafte Historie der Reformation und die Beweggründe Martin Luthers eingegangen, der niemals eine Spaltung der Kirche im Sinn gehabt hatte. Sein Bestreben war einfach gewesen, dem unmenschlichen Ablasshandel ein Ende zu setzen. Nachdem er sich vom Jurastudium verabschiedet und der Theologie zugewandt hatte, war ihm wichtig, herauszufinden, ob es einem Menschen überhaupt möglich sei, Gott zufrieden zu stellen. In seinen Studien im Kloster wurde ihm klar, dass das nicht geht, aber dass Gott verzeiht durch die Gnade. Seine Überzeugung, dass wir vor Gott bestehen können durch unseren Glauben und durch Buße, brachte er unter anderem in seinen 95 Thesen zum Ausdruck, die er gegen den Ablass 1517 an die Kirchentür schlug. Natürlich machte er sich damit Feinde in Kirche und Politik, denn der Ablasshandel war eine wichtige und sprudelnde Einnahmequelle für beide. Doch er gab nicht klein bei und blieb bei seinen Thesen: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Da es zu keiner Einigung kam, entstand die evangelische Kirche. Im Augsburger Religionsfrieden wurden beide Konfessionen gebilligt und festgelegt, dass die Untertanen hier ihrem Landesfürsten zu folgen haben, was zu einem rechten Hickhack führte, wenn die Landesfürsten wechselten. Ab dem Westfälischen Frieden gab es mit Katholiken, Lutheranern und Reformierten sogar drei Konfessionen.
Was das für Großeicholzheim bedeutete, hatte Ingolf Stromberger den Aufzeichnungen von Pfr. Martin Schmidt entnommen. Denn als die Herren von Eicholzheim 1559 ausstarben wurde die lutherische Kurpfalz zur Obrigkeit, danach wieder reformiert und als das Gebiet Bayern zugesprochen wurde natürlich katholisch. 1648 wieder Kurpfalz und damit reformiert und Stand 1671 waren 71 Prozent reformiert, 7 % lutherisch und 21 % katholisch. 1692 stirbt die Herrscherfamilie in der Kurpfalz aus und die neue ist mal wieder katholisch. Natürlich macht sich auch dieses Mal der Einfluss sehr bemerkbar. Als dann die Kirche in Großeicholzheim den Evangelischen zugesprochen wurde, mussten sich die Katholiken im Rathaus treffen. Doch mittlerweile war man der Streitigkeiten im Dorf schon müde und half sich über die Konfessionen hinaus, auch bei der Fertigstellung der katholischen Kirche 1821. Man war inzwischen der Meinung, jede Konfession habe ihre Berechtigung. In Baden hat man es sogar geschafft, eine Bekenntnisunion zwischen Lutheranern und Reformierten aufzustellen.
In Großeicholzheim und Rittersbach geht man seit langem aufeinander zu und feiert viele gemeinsame Feste. Selbst die Unstimmigkeiten von Eltern bei sogenannten Mischehen ihrer Kinder, die früher sehr unter dem religiösen Starrsinn der „Alten“ gelitten haben, sind heute nicht mehr zu spüren. Dennoch halten die Geistlichen beider Konfessionen es für wichtig, im christlichen Sinne auch nach der schriftlichen Ökumene-Vereinbarung weiter aufeinander zuzugehen. 

(Liane Merkle, RNZ)

 

zurück