Geschichte

 

Im Jahr 1393 wird erstmals ein Pfarrer von Eicholzheim in Urkunden des Klosterarchivs Amorbach genannt. Das Vorhandensein einer Kirche als Eigenkirche der Ortsherrschaft ist jedoch weit vor dieser Nennung anzunehmen. Wie die unterste Schicht der Wandmalereien im Chorraum der heutigen evangelischen Laurentiuskirche beweist, reichen ihre Anfänge mindestens bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zurück.

Vom späten Mittelalter bis in die Neuzeit überdauerte die Kirche bewegte Zeiten. Wahrscheinlich ursprünglich auf dem Standort eines römischen Heiligtums erbaut, bot die einstige Wehrkirche von ihrem erhöhten Platz aus eine gute Übersicht über Dorf und Umgebung. Der Kirchhof war von einer starken Ringmauer umgeben. Bei Gefahr konnten sich die Dorfbewohner dahinter in Sicherheit bringen. Verteidigt wurde durch die Schießscharten im Kirchturm.

Um 1550 wurde die Reformation in Großeicholzheim eingeführt und die Bevölkerung mit den Herren von Eicholzheim evangelisch. Ausgelöst durch Glaubensstreitigkeiten löschte der 30-jährige Krieg (1618 bis 1648) einen Großteil der Bevölkerung aus. Ein steinerner Geldtresor, 1619 in die Chorwand der Kirche eingelassen und bei Renovierungsarbeiten 1971 entdeckt, zeugt von den damaligen unsicheren Zeiten.

Nach dem 30-jährigen Krieg erstarkte im Zug der Gegenreformation wieder eine kleine katholische Gemeinde. Trotz Verkündigung des sogenannten Simultaneums durch den Pfälzer Kurfürsten im Jahr 1695 benutzten die Katholiken in Großeicholzheim wahrscheinlich nur von 1701 bis 1705 gemeinsam mit den Evangelischen die Kirche, bis die kurpfälzische Religionsdeklaration das Kirchengebäude 1705 ausschließlich der reformierten evangelischen Gemeinde zusprach. Deren Gemeindestärke war in den zurückliegenden Friedensjahren so stark angewachsen, dass sie eine Vergrößerung der Kirche notwendig machte.

So wurde 1718 der Kirchturm erhöht und mit der markanten welschen Haube versehen. (Die Initialen IL des damaligen Pfarrers Johann Lorsbach finden sich in einem Eckquader auf der Ostseite des aufgesetzten Turmgeschosses.) 1720 folgten die Erhöhung sowie Erweiterung des Langhauses nach Süden und Westen, verbunden mit Veränderungen der Fenster. Damit bekam die Kirche im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen.

Als 1821 in Baden die Union der lutherischen und reformierten Kirche vollzogen wurde, war auch Großeicholzheim fortan eine unierte Gemeinde.

 

Ein historische Entdeckung brachte die Renovierung der Laurentiuskirche im Jahr 2011:

Durch das Abschlagen des Putzes von Lehm und Kalk an der östlichen Südwand kam ein Stein mit der Jahreszahl 1516/17 in lateinischer Schrift zum Vorschein. Zu jener Zeit war Anselm von Eicholzheim nicht nur Lehnsherr von Eicholzheim, sondern auch Vogt von Mosbach und Stellvertreter des Pfalzgrafen und damit der bedeutendste Vertreter des Geschlechts der Herren von Eicholzheim. Aufgrund des einheitlichen Mauerwerks der Südwand ist darauf zu schließen, dass dieser Inschrift-Stein wie der Wappenstein Anßhelm voneicholzen an der Südwestecke der Kirche von anderer Stelle her stammt und 1720 zweitverwendet wurde. Entweder wurden die Steine an den prominenten Stellen als Gedenksteine eingemauert oder sie fanden schlicht als Baumaterial Verwendung. Beide Steine zeigen, dass bereits vor der Reformation Baumaßnahmen an der Kirche vorgenommen worden waren und die Kirche damals von den Ortsherren unterhalten wurde. (Im Kirchenarchiv ist nachzulesen, wie mit Hinweis auf diese frühere Regelung 1718/20 erfolglos versucht wurde, die Umbaukosten von der Kirchengemeinde auf die Ortsherrschaft abzuwälzen.)

 

(mit freundlicher Genehmigung des geschichtlichen Arbeitskreises des Vereins „Großeicholzheim und seine Geschichte e.V.“)